Sparsamkeit

Mr. Scrooge oder kluges Sparen, wo liegt der Unterschied?

28.01.2017

Es gibt Menschen, die planen ihre Ausgaben sehr rational und überlegt. Sie kaufen nur, was sie brauchen und achten sehr darauf wofür sie ihr Geld ausgeben. Oft verwechselt man aber Sparsamkeit mit Geiz. Wann ist man einfach nur Sparsam und ab welchen Grad ist man schon ein hartherziger Geizkragen, wie Mr. Scrooge in dem Film „Charles Dickens’ Weinachtsgeschichte“?

Geld ist für einige Menschen der zentrale Punkt in ihrem Leben | Bild: Izabella Falon

Manchen reicht eine Hose für viele Jahre. Sie kaufen nur etwas zum Anziehen, wenn sie es wirklich brauchen. Auch die Winterjacke ist noch gut, obwohl sie schon sehr lange im Schrank hängt. Der 59-Jährige Wolfgang Beyer* ist so ein Mensch. Er lebt bescheiden und hat nur das nötigste zum Leben. Es ist perfekt aufgeräumt in seiner Ein-Zimmer-Wohnung. Die Möbel hat Beyer gekauft, als er aus sein Elternhaus mit 20 Jahren verlassen hat. Er schätzt die Möbel noch sehr und behandelt sie mit Achtsamkeit. „Ich brauche keine neuen Sachen, denn die sind noch gut", meint Beyer und serviert mir Kaffee in einer Tasse. Ich bin neugierig, woher er das schöne Tafelservice hat: „Das war ein Hochzeitsgeschenk, da war ich 25 Jahre alt, als ich es bekommen habe."

Beyer beschreibt sich selbst als ein sparsamer Mensch und das ist er seit seiner Kindheit schon. „Geld ist wichtig, denn es gibt mir Sicherheit. Ich habe auch in meinem Leben viel Geld anlegen können. Ohne Geld könnte ich kein glückliches Leben führen."

Beyer sieht sich als ein sparsamer Mensch | Audio: Izabella Falon

Was bedeutet Geiz und was Sparsamkeit?

Im Umgang mit Geld verhalten sich Menschen unterschiedlich. Die Einen sparen extrem und übertreiben damit. Andere wieder rum gönnen sich vieles, trotz sparsamen Umgangs mit Geld.

Geiz und Sparsamkeit - Unterschied
Laut Dr. Uwe Wiest, Diplom-Psychologe aus Delmenhorst bedeutet Geiz: Sparen um zu sparen. Nur das Sparen an sich zählt und jede nur erdenkliche Ausgabe wird heruntergeschraubt. Laut allgemeinen psychologischen Erklärungen, spart der Geizige überall und hat kein konkretes Ziel, für den er spart. Geizige Menschen sind auch oft extrem sparsam mit Emotionen und Gefühlen. Auch Kontrollzwänge sind Eigenschaften, die mit Geiz einhergehen. Sparsamkeit bezeichnet hingegen den maßvollen Umgang mit Geld. Wie setze ich mein Geld vernünftig ein, um die Ressourcen, die mir zur Verfügung stehen, nicht zu verschwenden. Ich spare auf ein bestimmtes Ziel hin, nicht wie bei Geiz einfach nur um des Sparens willen.

„Geiz bedeutet, wenn sich jemanden selbst schädigt und sich nichts mehr gönnt, sondern sich nur über seinen Kontostand freut. Der Hauptspaß liegt darin, dass das Konto immer voller wird, aber selber lebt man ziemlich trostlos", erklärt Dr. Uwe Wiest. Es komme aber auch immer drauf an, wie man selbst zu Geiz oder Sparsamkeit steht: „Die einen finden eine Person geizig, die anderen dieselbe sparsam", meint der Psychologe.

Geiz ist eine Wertung und Sparsamkeit eine Tugend | Audio: Izabella Falon

Freude am Sparen und am Geld ausgeben

Eine auf statista veröffentlichte, aktuelle Umfrage des Instituts IfD Allensbach, zeigt, dass für 59 Prozent der Befragten, Sparsamkeit eine wichtige Charaktereigenschaft ist. Doch warum sparen manche mehr, während andere verschwenderisch mit Geld umgehen? Auch in der aktuellen Bevölkerungsrepräsentativen Studie von Union Investment, sind viele der Meinung, dass Sparen wichtig ist und zum Leben dazugehört. 61 Prozent der Befragten sparen regelmäßig und machen dies auch gerne. 9 von 10 Befragten halten das Sparen nicht für spießig oder altmodisch. Im Gegenteil, sie finden, dass es Ihnen Sicherheit gibt und sie empfinden Freude, wenn sie bewusst ihre Finanzen durch Sparen vermehren können.

Der Wissenschaftsjournalist Nicolas von Lettow-Vordeck setzt sich viel mit dem Thema Sparsamkeit auseinander. Seiner Meinung nach macht die Sparsamkeit klug: „Denn sie erfordert, dass man plant und sich anstrengt. Blind einkaufen oder ungezügeltes Einkaufen macht einfach gesagt dumm. Das Sparen erfordert also Mühe. Alle Dinge, die im Leben was bringen, machen Mühe. Sei es, dass man Mühe hat um zu studieren oder diesen oder jenen Job zu bekommen. Immer sofort zu kaufen ist auch der Weg des geringsten Widerstandes."

Sich ressourcenschonend verhalten bedeutet nicht, dass man sparen muss, weil man kein Geld hat. | Audio: Izabella Falon

Dass Deutsche auch gerne schön Leben wollen anstatt nur zu sparen, zeigt eine Statistik, die von der Verbrauchs- und Medienanalyse VuMa, in den Jahren 2013 bis 2016 durchgeführt wurde. Zu sehen ist, dass die Einstellung "Ich mache mir mit meinem Geld lieber ein schönes Leben als zu sparen" im Verlauf von vier Jahren kontinuierlich leicht anstieg. Das Sparverhalten der Deutschen ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren ebenfalls gesunken. Heute sparen 51 Prozent der Deutschen regelmäßig. Letztes Jahr waren es noch 64 Prozent. Dies wird aus der im Jahr 2016 durchgeführten Umfrage der Bank of Scotland, welche auf statista veröffentlicht wurde, ersichtlich. Kann der leichte Rückgang des Sparens durch die zunehmende Beeinflussung der Käufer durch die Konsumgüterindustrie erklärt werden?

Warum sparen manche mehr als andere? Und wie entwickelt sich das Sparverhalten der Deutschen in den letzten Jahren? | Grafik: Izabella Falon

Keiner will Mr. Scrooge sein

Vor einiger Zeit lernte Beyer eine Frau kennen, mit der er sein restliches Leben verbringen möchte. Doch sie ist anders als er, geht mit dem Geld anders um. Man kann sagen, sie sei das komplette Gegenteil von Beyer. Anfangs gab es keine Probleme, erzählt Beyer. Dann aber kam es immer wieder zu Streit. „Wir hatten vor ein paar Monaten eine Krise. Es fing bei den ganz kleinen Sachen schon an. Sie wollte einfach nicht einsehen, dass es nicht vernünftig ist, immer auswärts essen zu gehen. Oder sich anhören zu müssen, dass ich mir neue Schuhe kaufen sollte, obwohl meine noch gut waren." Für Beyer war es schwer, ihre Einstellung zu Geld zu verstehen. Doch Beyer änderte sein sehr sparsames Verhalten zum Teil, der Liebe willen. Nun kauft er mehr ein und gibt Geld aus für Sachen, die er manchmal auch nicht unbedingt braucht. Aber das findet er jetzt gut: „In meinem Alter muss man ja sagen, dass man nichts mitnehmen kann. Denn das letzte Hemd hat keine Taschen. Und wenn man sich dann zu Lebzeiten eine Freude machen kann, dann ist es in Ordnung".

„Ein allgemeines wirtschaftliches Denken vs. Behandlung von Freunden, dass sind zwei Paar Schuhe. Auch der Weihnachtsfilm „Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte" zeigt: Geiz schädigt einen selber. Man gönnt sich nichts und freut sich über den Kontostand", erklärt Dr. Uwe Wiest. Das Sparen ist sogar für die heutige Gesellschaft sehr wichtig, meint Nicolas von Lettow-Vorbeck. „Sparsamkeit ist auch eine gewisse Art von Bewusstsein oder Demut, dass eben andere nicht das haben was wir haben. Das Rad des Konsums dreht sich auch immer schneller und die Menschen sind desinteressierter, nicht nur an der Umwelt, sondern auch an politischen Sachen." Fakt ist: geizig sein will keiner. Hilfreich ist es, sein Verhalten zu hinterfragen und sich immer vor Augen zu führen, für was man spart.

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Izabella Falon

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Eingeschrieben seit: Sommersemester 2014