Konsumverhalten

Dreckiger Alltag

29.06.2017

Der Ärger um die anhaltende Umweltverschmutzung ist groß. Doch mal ehrlich: Die Aufregung nützt nichts, wenn wir uns nicht selbst an der Nase fassen. Wer tut schon was im Alltag, um seinen Müllberg zu reduzieren? Die Wenigsten. Wir nennen uns ja schon „Wegwerfgesellschaft“. Schuld daran sind unter anderem unsere Alltagsgewohnheiten. Einige könnten wir ändern und somit die Ressourcen der Welt schonen. Ein typischer Tag:

In nur wenigen Tagen häufen sich die Plastikverpackungen.| Foto: Anja Agert

„Guten Morgen, es ist 7:15 Uhr. Das Wetter ist sonnig bei 25 Grad", weckt uns sanft die Stimme eines intelligenten Systems. Ist ja auch viel informativer und entspannter, als das nervige Piepsen des alten Weckers, der deshalb schon längst auf der Müllhalde liegt. Allein der Gedanke, dass wir die Vorteile der Digitalisierung nicht nutzen – völlig abwegig. Also schleppen wir uns ins Bad und gehen routinemäßig auf die Toilette. Zum Händewaschen drücken wir die Seife selbstverständlich aus dem Kunststoffspender. Noch schnell die Zähne mit der neu gekauften Bürste putzen, die aus hygienischen Gründen natürlich jeden Monat gewechselt wird. Viel Zeit bis zum Bus bleibt mittlerweile auch nicht mehr. Wir öffnen den Kühlschrank, nehmen einen Joghurt im Plastikbecher, machen uns hektisch fertig und ziehen die Haustür zu. Auf dem Weg zur Universität gibt es noch einen Kaffee vom Bäcker. Im Jahr 2015 haben die Deutschen rund 7,6 Millionen Coffee-to-go-Becher verbraucht. Gestapelt würde daraus ein 300.000 km hoher Turm entstehen, der fast bis zum Mond reicht. Das ist uns aber egal. Ein Mehrwegbecher nimmt eben zu viel Platz in unserer Tasche ein.

Noch während wir uns über die Umweltverschmutzung unterhalten, landen die ersten Kippen auf dem Boden. Wir sind eben müde und der Aschenbecher ist einfach zu weit weg. In der Vorlesung holen wir endlich den neuen Laptop heraus. Der Alte ist nach fünf Jahren schließlich nicht mehr zu gebrauchen, nehmen wir mit unserem Halbwissen an.

Neid, Frust, kein angebissener Apfel auf der Rückseite: Warum sich Deutsche ein neues Notebook kaufen.| Grafik: Anja Agert, Kimberly Nicolaus, Maximilian Wöhr via Piktochart

Reparieren statt wegwerfen

Der Magen knurrt. Weil die Pause zu kurz ist wird das Mittagessen bequem über die App am Smartphone bestellt – ein Hoch auf die Digitalisierung! Zwischen Treppenstufen und Gesprächen fällt uns aber das Handy auf den Boden. Der Schreck sitzt tief, der Bildschirm hat einen Riss. Bestellen können wir trotzdem – alles gut. Außerdem läuft der Handy-Vertrag sowieso in ein paar Tagen aus, dann gibt es wieder das neuste Modell. Warum also reparieren? Technisch begabt sind wir nicht und das Werkzeug fehlt uns ja sowieso.

Dank unserem rücksichtsvollen Konsumverhalten hat 2014 jeder Deutsche 21,6 Kilogramm Elektroschrott produziert. Dabei gibt es Möglichkeiten trotz fehlendem Know-how und Werkzeug Geräte zu reparieren. Ein Beispiel dafür: Die Offene Werkstatt HOBBYHIMMEL in Stuttgart-Feuerbach.

Ein gemeinnütziges Projekt, das handwerkliche Fähigkeiten fördert und sich gegen die Wegwerfgesellschaft einsetzt. | Video: Anja Agert, Kimberly Nicolaus, Maximilian Wöhr

Essen mit Gewissen

Die Essenslieferung aus der Mensa funktioniert. Damit beim Transport unser Essen nicht durch das Auto fliegt, kommt unser Salat eingeschweißt in der Plastikbox an. Ein negativer Beigeschmack, denn es geht auch umweltschonender: Eine Stuttgarter Initiative hat in den letzten Monat das schweizerische Mehrwegsystem „reCIRCLE" in der Kesselstadt eingeführt.

Nein zu Verpackungsmüll: So funktioniert das Mehrwegsystem von reCIRCLE. |Grafik: Anja Agert, Kimberly Nicolaus, Maximilian Wöhr via Piktochart

Umdenken statt Hinnehmen

Nach der Uni geht es zum Einkaufen. Der Jutebeutel liegt daheim, aber der Supermarkt bietet glücklicherweise Ersatz: Wir packen Tomaten in die eine Plastiktüte, Gurken in die andere. Doch allein von Salat werden die Freunde beim Grillabend nicht satt. Deshalb etwas Fleisch – aber nicht von der Frischetheke, die Schlange ist zu lang. Wir nehmen lieber das Eingeschweißte aus dem Kühlregal. Jetzt noch eine große Tüte an der Kasse für zehn Cent, da passt alles rein. Auf dem Heimweg nur ein Gedanke: Hunger, gleich Essen!

Während wir unbewusst in einem Plastikalbtraum leben, denkt Dr. Manuela Gaßner weiter: Sie lebt Zero-Waste. Ein Lebensstil, der darauf ausgelegt ist, keinen Müll zu produzieren.


|Grafik: Anja Agert, Kimberly Nicolaus, Maximilian Wöhr via Piktochart


Zerstört die abgelaufene Garantie das Gerät?

So langsam trudeln unsere Freunde alle ein und auf dem Grill liegen bereits die ersten Würstchen. Wie üblich hat jeder Gast etwas mitgebracht: Veggie-Würstchen aus der Plastikverpackung, Ketchup aus der Tube und zwei Tüten Chips. Nachdem wir uns die Bäuche vollgeschlagen haben, ruft jedoch die lästige Arbeit: Wir müssen das Geschirr von Hand spülen. Wie es der Teufel will, ist gestern unsere Spülmaschine kurz nach Ablauf der Garantie kaputt gegangen. Jetzt mal ehrlich: Damit ist ja zu rechnen, oder?


|Grafik: Anja Agert, Kimberly Nicolaus, Maximilian Wöhr via Piktochart

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